Dienstag, 20. September 2016

Projektstart, spanische Grammatikverwirrung und eine abenteuerliche Wanderung

Zwischen Spanischbüffeln und Projektkinder-Geschrei, Gastfamiliengesprächen und dem Festival Internacional de la Cultura in Sucre finde ich zurzeit kaum ein ruhiges Minütchen um einen aktuellen Lagebericht zu schreiben. Im Moment haben wir ganz schön viel um die Ohren, da der Spanischunterricht jeden Morgen nun schon in die dritte und finale Woche geht, und wir alle sechs Freiwillige in Sucre jetzt angefangen haben zu arbeiten. Für mich und Jelena bedeutet das, jeden Tag nach dem Spanischkurs direkt ins Projekt zu fahren und dort entweder bis 15 Uhr oder 17 Uhr zu bleiben.

Kurz zu unserem Projekt: wie bereits erwähnt arbeiten wir zwei Tage die Woche in einer Art KiTa, der „Villa Margerita“, mit Kindergartenkindern und drei Tage mit älteren Kindern in einer Art sozialem Zentrum, dem „Barrio Bolivia“, wo Hausaufgabenhilfe, verschieden kreative Vormittagsaktivitäten, zusätzlicher Unterricht und für alle ein warmes Mittagessen angeboten wird. Im „Barrio Bolivia“ ist es ganz traumhaft, da es ein bisschen außerhalb der Stadt ist in einem ruhigeren, ländlicheren Gebiet, wo die Luft wunderbar sauber ist, keine endlosen Autoschlangen hupen und die Aussicht auf die umliegenden Berge einfach ein Traum ist. Dort fühlen wir uns sehr willkommen, da sowohl die Kinder als auch die Frauen, die dort in der Küche arbeiten, sehr freundlich zu uns sind. Wir freuen uns sehr darauf, nach dem Spanischkurs endlich am Vormittag mit den Kindern richtig etwas machen zu können, denn im Moment helfen wir nur beim Mittagessen.
In der „Villa Margerita“ dagegen fühlen wir uns noch nicht so richtig wohl, was vor allem daran liegt, das wir irgendwie nicht besonders herzlich sondern ziemlich reserviert aufgenommen wurden. Mal sehen, wie sich die Arbeit mit den meistens sehr lauten und aufgedrehten Kleinen entwickelt, aber im Moment ist leider die Konversation mit den Kinder noch etwas schwierig, da die Kleinsten noch nicht richtig sprechen können und wir demzufolge noch weniger verstehen als wenn Erwachsenen reden. Vielleicht braucht das Ganze aber einfach noch ein bisschen Zeit, bis wir uns richtig ins Projekt eingedruselt haben...

Unter der Woche und auch am Wochenende gibt es in Sucre sehr viele Aktivitäten, wie Walley spielen (eine Art Volleyball in der Halle), Salsa tanzen, Zumba, Kino etc. und vor allem wegen des Festival Internacional de la Cultura, was noch eine ganze Woche geht, gibt es jeden Abend mehrere Angebote zu Musik, Tanz oder Theateraufführungen – das allermeiste davon kostenfrei. Diese Gelegenheiten locken uns natürlich aus dem Haus, weshalb wir meistens morgens mit sehr kleinen Augen zum Spanischkurs schleichen, aber ich finde, man sollte diese wunderbaren Kulturangebote nutzen in der Zeit des Festivals, das ist schließlich nur einmal im Jahr.
Das vorletzte Wochenende zum Beispiel war vollkommen verrückt: Von Freitag bis Sonntag feierte Sucre das Fiesta de Virgin de Guadeloupe (der Schutzherrin der Stadt), weshalb das gesamte Wochenende lang in der Stadt der Teufel los war. Es gab von Samstagmorgen um 8 bis Sonntagnacht um 2 oder 3 eine riesige, schier endlose Parade an Tanzgruppen und Blaskapellen im Wechsel, die in verschiedensten Kleidern vor Motivation und Freude am Tanzen beinahe übersprudelten. Von traditionellen Cholita-Röcken über Bergarbeiterkleidung mit Lampe und Juterucksack bis hin zu ausgefallen maskierten Dämonen und neonfarbenen, gefiederten Karnevalsoutfits war alles vertreten, und selbst die Männer, die in den Kapelle die große Pauke spielten, haben mitgetanzt. Sehr mitreißend und wahnsinnig beeindruckend, wie die insgesamt ca. 1000 Tänzer mit ohrenbetäubender Musik und Geschrei durch die Stadt zogen.


Um mal einen Eindruck der Vielfalt an Tanzgruppen und Brassbands zu bekommen


Auch die Kleinsten waren schon eifrig beim Tanzen dabei 
Durch dieses Fiesta war die Stadt leider vollkommen überfüllt mir Menschen, sodass man kaum von einer Straßenseite zur nächsten kam. Nichtsdestotrotz konnte ich dieses riesige Spektakel genießen.


Letzte Woche ist wieder etwas Ruhe eingekehrt und die Innenstadt ist zum Glück nicht mehr so vollgestopft mit Menschen.
Wir waren zusammen mit Oscar, den anderen Voluntarios und einigen neuen Bekanntschaften im Theater, bei einem Jazzkonzert und im Kino, weshalb die Woche besonders schnell verflogen ist.
Am vergangenen Wochenende haben wir am Samstag eine Wandertour unternommen in die naheliegenden Berge, die archäologischen Parks 'Inka Machay' und 'Puma Machay'. Dafür haben wir uns ziemlich früh am Morgen getroffen, um den einzigen Bus zu bekommen, der uns eine knappe Stunde außerhalb von Sucre aufs Land gefahren hat und uns dann buchstäblich im Nirgendwo zwischen den Bergen auf einem staubigen felsigen Sandweg ausgesetzt hat. Unter der gleißenden Sonne sind wir losgekraxelt, die gerölligen Hänge hinauf, offenbar einem „Wanderweg“ folgend, den zum Glück Oscar zu kennen schien.
Die Umgebung, die Berge, die verdorrten knorrigen Sträucher, der rote Staub unter unseren Füße, alles war so trocken, dass man allein durch Ein- und Ausatmen ständig durstig war. Da hier auf der Südhalbkugel ja gerade der Winter zuende geht und diese Jahreszeit in Bolivien sehr trocken ist, fehlt im Moment einfach der Regen, um die Natur zu beleben und deshalb sind die Berge und das komplette Umland einfach sehr ausgedörrt. An einer Stelle war sogar großflächig die Erde und die wenigen trockenen Pflanzen ganz schwarz versengt, offenbar hatte dort ein hitziges Trockenheitsfeuer gewütet. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat die Landschaft dort eine karge, spröde Schönheit an sich und der Blick über die sich bis hinter den Horizont erstreckenden Berge war atemberaubend. Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes, da wir am höchsten Punkt der Wanderung auf 3500 Metern über dem Meeresspiegel ganz schön ins Schnaufen gekommen waren. Der wenige Sauerstoff hier oben macht sich doch noch manchmal bemerkbar.

Am 'Ziel' der Route konnten wir in eine Art feuchte, kühle Höhle klettern, in welcher wir die piktogrammartigen Felsmalereien Inka Machay und Puma Machay bewunderten. Spektakulärer als diese schon viele Jahre alten Zeichnung aus Pflanzen- und Erdfarben war aber die eigentlich Wandertour, die gerade zum Ende hin ziemlich beschwerlich wurde, aber abenteuerliche Wege mit Steinstufen und bröckligem Geröll sowie wunderschönen Blicken über die Bergketten entschädigten für allen Schweiß und die brennende Sonne.
Als wir wieder an der Straße angekommen waren, gab es aber leider keinen Bus mehr zurück in die Stadt, da wir ein wenig zu spät zurückgekommen waren. Oscar aber meinte nur ganz trocken: „I am pretty sure, we will find another kind of transport.“ Leicht hysterisches Gelächter unsererseits, denn wir waren alle ziemlich kaputt und wollten gern vor Einbruch der Nacht zurück in Sucre sein möglichst nicht zu Fuß.



Tatsächlich kam aber nach ein paar Minuten ein Auto in unsere Richtung und der Fahrer nahm uns sieben Leute mit – die Jungs mussten sich zu dritt in den Kofferraum zwängen – und los gings. Kein Vergnügen, mit einer Horde verschwitzter, mümpfelnder Leute eingequetscht in einem ziemlich klapprigen, langsamen, wenig vertrauenserweckenden Auto zusammengefalten zu hocken, vor allem, wenn einer der Jungs auch noch auf die grandiose Idee kommt, seine duftenden Wanderschuhe auszuziehen.... Trotzdem hatten wir viel Saß auf der Rückfahrt und kamen ziemlich erledigt aber guter Laune und mit atemberaubenden Bergbildern im Kopf und auf der Kamera zurück in der Stadt an, vor Einbruch der Dunkelheit!

 Am Sonntag war ein großes gemeinsames Mittagessenkochen bei unserer Gastfamilie angesagt. Unsere Gastmutter hatte alle Freiwilligen eingeladen sowie Oskar und zusätzlich kamen an dem Sonntag noch zwei Mädels, Aline und Caroline aus der Schweiz an, die ein paar Monate in Sucre Spanisch lernen und danach reisen wollten. Demzufolge waren wir 14 Leute und die kleine Küche rappelvoll mit in verschiedenen Sprachen plappernden Leuten, die fleißig Kartoffeln schälten, Gemüse schnippelten und neunmalkluge Kochratschläge gaben. Ich hatte ein Rezept für Kartoffelgratin herausgesucht mit Tomaten, Zucchini, Käse und Eiern; Gastmama Vicenta bereitete eine Sopa de Mani (Erdnusssuppe) vor und als Postre (Nachtisch) gab es Obstsalat mit Joghurt. Leider haben wir uns auf dem Markt in einer Minute der Unachtsamkeit Gurken anstelle von Zucchini aufschwatzen lassen, aber im Auflauf ist das zum Glück kaum aufgefallen und alle hatten viel Spaß beim Zubereiten und Verspeisen.
Im Anschluss an das Mittagessen haben wir noch Karten gespielt und mein Gastbruder Josh hat versucht, uns einen Kartentrick beizubringen. Ganz konnten wir dann aber den Monsterabwasch doch nicht hinausschieben, aber getreu dem Motto „Viele Hände – schnelles Ende“ war auch das bald geschafft.
Alles in allem ein sehr trubeliger, aber schöner Sonntag, den wir dann in einer kleineren Gruppe zusammen mit meinen Gastbrüdern und zwei anderen Freiwilligen im Theater haben ausklingen lassen, wo sie einen Film gezeigt haben, dessen Titel wir leider etwas falsch interpretiert hatten und dementsprechend kaum etwas verstanden haben. Ein kleiner Trost war, dass selbst die beiden Spanisch-Muttersprachler unter uns der Handlung nicht wirklich folgen konnten.

Nach diesem ereignisreichen und aktiven Wochenende startet jetzt also eine neue Woche, die letzte des Festivals Internacional de la Cultura, weshalb wir wahrscheinlich noch versuchen, soviele Kulturveranstaltungen wie möglich mitzunehmen.
Heute, am Dienstag dem 20. September, gibt es ein großes Fiesta unter freiem Himmel mit traditioneller Musik, indigenen Tänzen und Ritualen anlässlich des morgigen Frühlingsanfanges (in Deutschland ist es natürlich der Herbstanfang). Deshalb wird morgen wahrscheinlich die ganze Stadt und die Menschen (bildlich gesprochen) „aufblühen“, denn uns wurde erzählt, dass sich die Paare und Familien morgen am ersten Frühlingstag und dem Tag der Liebe viele Blumen und kleine Geschenke geben und ab morgen die Tage wärmer und ein bisschen länger werden.
Leider wird es ab jetzt auch regnerischer, denn der Sommer hier in Bolivien bringt ziemlich viel Regen mit sich. Ich freue mich aber sehr auf diese Zeit, denn von jetzt an wird sich die Natur mit dem Regen erholen und endlich werden die sehr staubigen, ausgedörrten Hänge ringsherum und die sonnenverbrannten, felsigen Berge ein bisschen grüner.


Ich bin gespannt, ob laut bolivianischer Wetterlogik schon morgen der große Wolkenbruch kommt, oder ob der Regen noch etwas auf sich warten lässt. Die wasserdichte Jacke ist jedenfalls von nun am immer im Gepäck.

Mittwoch, 7. September 2016

Nach einer Woche in Sucre - So langsam lerne ich, anzukommen.

Gerade mal eine reichliche Woche sind wir jetzt schon in Sucre und dabei fühlt es sich an, als wären wir schon eine halbe Ewigkeit in der kleinen Stadt.
Die gesamte letzte Woche haben wir damit verbracht, jeden Tag durch die Straßen zu laufen, von der Bank zum Copyshop, zu Interpol, zum Fotographen, wieder zum Copyshop, zur Polizei, nochmal zu Interpol..... Noch dazu kommt, dass oftmals ein Büro einfach einen Tag Bearbeitungszeit brauchte. Auch, dass wir entweder ein Stündchen warten mussten, bis jemand Zeit hatte, unsere Fingerabdrücke zu nehmen, oder, dass schlicht eine Behörde nur vormittags arbeitet und wir deshalb auf den morgigen Tag vertröstet werden - 'Bolivian Time': an dieses etwas andere Zeitverständnis müssen wir, für unserer minutengenaue Pünktlichkeit bekannten Mitteleuropäer, erstmal gewöhnen.
Es war ein nervenaufreibender Beantragungsprozess, aber das tagelange Pendeln zwischen den Behörden hatte einen Vorteil: wir haben gefühlt die komplette Innenstadt inklusive der beiden großen Mercados zu Fuß abgegrast, haben von Oscar viele Insidertipps zu schönen Orten und Restaurants bekommen (quasi eine Stadtführung 'Intensiv-Extrem') und können uns im Centrum schon halbwegs orientieren. Zum Glück sind jetzt endlich die wichtigsten Unterlagen für das bolivianische Jahresvisum abgegeben und jetzt heißt es 'Warten'.


Ein Monster-Palmenblatt, komplett verholzt, 
ein wahrer Totschläger...

Wenn wir am Abend nicht mehr fürs Visum unterwegs waren, dann gab es und gibt es immer noch mehr als genug Möglichkeiten, den Tag sinnvoll zu nutzen, denn zufälligerweise findet gerade wenn wir in Bolivien ankommen das Internationale Festival der Kulturen in Sucre statt. Dieses Festival dauert den gesamten September und jeden Tag gibt es verschiedene Konzerte, Theaterstücke, Filmvorführungen, Straßenkunst, Tänze, Workshops, Ausstellungen und Street-Art zu sehen, verschiedenste kulturelle Angebote gibt es über den ganzen Tag und den Abend verteilt und außerdem ist quasi jede Nacht eine scheinbar endlos lange Parade von abwechselnd Tanzgruppe und Brassbands auf den Straßen unterwegs, die dermaßen ohrenbetäubend laute Musik machen und trillerpfeifend und schreiend herumspringen, dass es die Leute (und natürlich auch uns) zum Zuschauen heranzieht wie ein loderndes Feuer die Mücken heranlockt. Diese wahnsinnig energetischen Choreographien sind wirklich super-mitreißend und extrem beeindruckend anzusehen, und die meisten Tanzgruppen haben bunte Kostüme an oder farbenfrohe Bänder um die Hüften gebunden.
Da die allermeisten Kulturvorstellungen während des Festivals kostenfrei sind, gibt es vor allem bei beliebten Vorführungen natürlich großen Andrang, doch wir haben es bis jetzt schon zweimal geschafft, ins Theater zu gehen, was sich wirklich gelohnt hat! 'Hamlet de los Andes' war eine Art lateinamerikanischer Adaption des Shakespear'schem Hamlet, aber da ich sowieso ziemlich verliebt in dieses Theaterstück bin, konnte ich den anderen Freiwilligen vorher ganz kurz die Handlung erklären, weshalb wir trotz des Shakespeare-Spanisch wenigsten ein bisschen des Stückes verstanden haben. Ich fand es großartig, gleich am Anfang in Bolivien ins Theater gehen zu dürfen, und dann auch noch zu einem Stück wie 'Hamlet'! Sehr skuril gemacht, moderner als erwartet und mit einem gewissen "traditionellen" Touch, da in einer Szene plötzlich zwei Männer in weiten, bunten Cholita-Kleidern eine Art abstraktes Ballett tanzten... Allein das war schon das lange Anstehen in der Schlange wert.
Zum zweiten Mal im Theater waren wir vorgestern, im Theatro 3 de Febrero, zu einem unglaublich beeinruckenden Flamengo-Tanztheater 'Bernarda Albas Haus'. Glücklicherweise kannte ich auch dieses Theaterstück von zuhause, aber auch ohne den Plot vorher zu kennen, konnte man total gut folgen, da der größte Teil der Zeit mit superausdruckstarkem Flamengo gefüllt war und der Tanz auch ohne (spanische) Worte das meiste der Handlung verdeutlichte.

Plakate für das Sucre Festival International de Cultura



Unsere Volunteer-Gruppe aus Sucre zusammen mit einem tanzenden "Dämon" 
einer Quechua-Tanzgruppe


Am liebsten würde ich den kompletten Tag und den Abend nur in der Stadt verbringen und die verschiedenen Kulturbeiträge besuchen, aber seit gestern haben wir (zum Glück endlich) jeden morgen zwei Stunden Spanisch Unterricht und ein bisschen Zeit mit unserer Gastfamilie sollten wir ja auch verbringen. Trotzdem waren wir heute nach dem Spanisch bei einem Workshop zu karibischen Rhythmen, wo uns ein Mann mit einem unglaublichen Hüftschwung ein paar Schritte von Samba und einigen anderen karibischen Tänzen beigebracht hat (oder es zumindest versucht hat).

In der Gastfamilie Mendieta fühle ich mich immer wohler und ich glaube, langsam kommen wir richtig an und fangen an, uns nach und nach ein bisschen wie zuhause zu fühlen. Ich habe jetzt eine geräumige, etwas staubige Holzkommode bekommen, habe die wenigen Möbelstücke im Zimmer ein bisschen umgeräumt, Fotos an die Wand gepinnt, meinem Kram überall verteilt und langsam richte ich mich ein, langsam fühlt es sich in dem kleinen Raum etwas heimeliger an.
Trotzdem sind wir ja quasi gerade frisch angekommen und noch ist alles ganz neu und jeder Tag bringt viele neue Dinge mit sich, sodass wir eigentlich nicht erwarten können, dass die alles von Anfang an so läuft wie wir es uns wünschen.

Morgen werde ich gemeinsam mit Jelena direkt nach dem Spanischkurs zum ersten Mal in unser Projekt gehen und endlich mit der Arbeit beginnen. Schon heute haben wir dem Projekt "Sayari Warmi - Levantate Mujer" einen Besuch abgestattet und durften mit den beiden leitenden Frauen der Organisation die verschiedenen Häuser des Sayari Warmi anschauen. Vor allem in dem Children Centre, das etwas außerhalb der Stadt in einem Randbezirk und damit etwas ländlicher liegt, fühle ich mich extrem wohl, da wir von dort aus einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Berge haben und die Luft im Gegensatz zur Innenstadt wunderbar sauber und auspuffgasfrei ist. Außerdem laufen ein paar kleine Schweine und einige Hühner auf der Straße herum und es gibt genügend Platz draußen um mit den Kindern morgens an die frische Luft und sogar in ein angrenzendes Wäldchen zu gehen.
Wir sind schon gespannt wie Flitzebögen, wie uns die Kinder (in einem Areal des Projektes von 2 bis 6 Jahre alt, in den anderen Teil von 7 bis ca. 13 Jahre alt) empfangen werden, wie wir uns verständigen können und wie wir uns am besten einbringen können. Offenbar gibt es eine Art festen Tagesablauf, aber vor allem am Nachmittag ist Zeit für kreative Aktivitäten, wo wir uns später gern auch mit eigenen Ideen einbringen dürfen.

Zum Abschluss noch kurz etwas zu meinem ersten Sonntagabend in Sucre - ohne Tatortgucken auf dem Sofa: Josh und ich haben es endlich geschafft und unsere Familienfotos von zuhause gezeigt, was unsere Gasteltern und unseren Gastgeschwistern sehr gefallen hat. Dann konnten wir (ganz stolz) unsere Gastgeschenke übergeben: englische Schokolade, ein selbstgeschriebener Brief von Joshs Mutter auf Spanisch, ein original Dresdner Christstollen und ein kleines erzgebirg'sches Holzteelicht für die Weihnachtszeit. Unsere Gastfamilie hat sich sehr sehr darüber gefreut und wir mussten versprechen, unseren Eltern ein ganz dickes Dankeschön zu sagen und sie unbedingt zu den Mendietas einzuladen.
Abgerundet haben wir den Abend dann noch mit einem gemeinsamen Brettspiel, was sich irgendwie total heimelig angefühlt hat, da wir zum ersten Mal so richtig entspannt Zeit mit unseren Gastschwestern Evangelina und Angela sowie mit Gastpapa Oswaldo verbringen konnten.

Jetzt muss ich noch ein paar unregelmäßige spanische Verben für den Sprachkurs wiederholen, damit die Spanischstunden sobald wie möglich Früchte tragen und unser Gestammel ein wenig flüssiger wird. :)