Mittwoch, 30. August 2017

DIe letzten Tage in Bolivien und Rückkehr nachhause

Am Mittwoch, bevor unser Flieger ging, wurde es für uns nun wirklich ernst – der Abschied von unserer Gastfamilie, von Sucre, von unseren Freunden dort und von der vertrauten Umgebung, ein Ort, der für uns während dieser Zeit hier zu einer Art zweiten Heimat geworden ist. Ich möchte gar nicht so ausführlich berichten, wie uns unsere Gastfamilie zum Busterminal gebracht hat und wie wir uns alle in den Armen lagen, denn Abschiede sind immer doof. Aber dieses „Chao“ war definitiv kein „Tschüss für immer“ sondern ein „Auf Wiedersehen, hoffentlich sehr bald!“.
 
In La Paz haben wir drei Mädels aus Deutschland, wie wir denselben Flug hatten, noch einen letzten Tag gemeinsam mit Josh und Emma (meinem britischen Gastbruder und seiner Freundin verbracht) – wir waren im Harry-Potter-Cafe 'Avada Kedavra – Cafe Tenebroso' und haben bei Felix felicis, Butterbier und „pastel oscuroso“ (=seeehr dunklen Hogwarts-Schokoladenkuchen) ziemlich lange gequatscht und die letzten Stunden miteinander genossen. Es war ein sehr entspannter und schöner Tag und wir hoffen alle, dass wir uns recht bald gegenseitig besuchen können, denn einige Dinge wie zum Beispiel ein echtes English Breakfast bei den beiden zuhause in Liverpool steht für uns noch aus.

Am nächsten Morgen ziemlich früh brachen Jelena, Sophia und ich zu einer, wie wir es genannt haben, „Fahrradtour“ auf. Wir hatten uns für einen Trip angemeldet mit dem Mountainbike die sogenannte Death Road entlang, die Todesstraße, La ruta de la muerte. Das ist eine der bekanntesten Dinge, die man als Tourist in Bolivien machen kann, und wir haben gedacht, ganz zum Schluss können wir auch nochmal etwas touristisches erleben, denn die Death Road ist mehr oder weniger ein Muss, wenn man schonmal in La Paz ist. Auf jeden Fall galt sie lange als gefährlichste Straße der Welt, denn früher, als es noch starken LKW-Verkehr in beide Richtungen gab, sind recht regelmäßig Lastwagen und andere Fahrzeuge in den Abgrund gestürzt, denn oftmals ist der Schotter- und Steinweg nur drei Meter breit und an der tiefsten Stelle geht es 400 Meter senkrecht in die Tiefe. Heutzutage gibt es allerdings eine neugebaute und viel sicherere Umfahrung für den normalen Verkehr und die eigentliche Death Road fahren nur noch Leute auf Fahrrädern sowie die Begleitminibusse mit dem Gepäck.

Wir drei hatten schon ziemlichen Respekt vor der Aktion, weil eben doch ab und zu auch Unfälle mit Fahrradfahrern passieren und man an einigen Stellen wohl wirklich aufpassen muss, nicht zu nah an die Kante zu fahren.
Morgens gegen 9 klettern wir also nach einem guten Frühstück in den Minibus und fuhren ca. eine Stunde hinauf auf den Cumbre-Pass, den Startpunkt der Route auf ca. 4700 m, wo ein eiskalter Wind weht und der Schnee auf den umliegenden Berge zum Greifen nahe scheint.
Dort auf diesem weiten Hochplateau bekommen wir unsere Ausrüstung, Mountainbikes und natürlich Schutzkleidung mit Protektoren, Helm, Hose, Jacke, Handschuhe und eine Warnweste. Kurzes Üben, danach geht es auch schon los. Hier oben beginnt noch nicht wirklich die Death Road, sondern wir fahren ersteinmal ca. eine halbe Stunde eine gut asphaltierte Straße hinunter, wahrscheinlich zum Üben und um sich mit dem Rad vertraut zu machen.









Danach ein kurzes Stück im Bus bis zum eigentlichen Startpunkt der Death Road – Schotterpiste und ein bisschen wärmer ist es auch schon, saftig-grüner Wald zur rechten Seite der Route, steiler, viele Meter tiefer Abgrund linken Seite.

Vor allem am Anfang ist der Weg noch total gut befahrbar, man muss natürlich aufpassen, aber es fährt sich wirklich gut. Je weiter wir hinunter kommen, desto wärmer wird es. Alle 10-15 Minuten ändert sich die Vegetation um uns herum, es ist wirklich faszinierend. Die sogenannte Palme des Hochlandes wird abgelöst von der tropischen Palme und wir merken stark die Klimazonenunterschiede – Schicht um Schicht entledigen wir uns der dicken Klamotten von den Minusgraden oben auf dem Cumbre-Pass.









Zum Glück sind wir in der Trockenzeit hier, denke ich bei einer besonders kurvigen Abfahrt, wo von rechts ein kleiner Fluss kommt, den wir mit dem Fahrrad durchqueren müssen, und wo ab und zu Wasser in dünnen fädigen Vorhängen von oben herabtröpfelt. Wie mag dieser Weg wohl in den Regenmonaten aussehen? Vollkommen überschwemmt? Außerdem haben wir auch großes Glück, den das Wetter hier in den Yungas kann sehr schnell umschlagen, offenbar hatte es am Morgen noch geregnet, denn alles war voller Pfützen, doch wir kommen glücklicherweise trocken (zumindest vom Regen verschont) unten am Zielpunkt Yolosa an, auf nur 1200 Metern und bei tropisch-feuchter Hitze. Nach einer allerletzten, supersteilen breiteren Abfahrt, die man so richtig mit Vollgas hinuntersausen konnte, sind wir angekommen, wohlhalten und unfallfrei am Ziel - Geschafft!









Von Yolosa aus nehmen wir einen Minibus ins benachbarte Städtchen Coroico, ein bisschen weiter oben im Hang gelegen. Dort verbringen wir drei die Nacht und den nächsten Tag, gehen spazieren, gucken einen Tanzumzug an, weil schon wieder irgendetwas gefeiert wird (typisch Bolivianer :) ) und hängen mehr oder weniger die meiste Zeit über einfach rum. Die Luft ist so ein bisschen raus jetzt während der letzten Tage. Wir können alles nochmal sehr intensiv genießen, aber seltsamerweise sind wir überhaupt nicht mehr so verrückt danach, jeden Winkel an einem neuen Ort zu erkunden und bis zum Anschlag um die Häuser zu ziehen. Vielleicht ist dieser entspannte, allmähliche Ausklang aber auch ganz gut um sich schonmal langsam mit dem Gedanken anzufreunden, dass es jetzt wirklich erstmal wieder nachhause geht.






Zurück in La Paz haben wir noch eine richtige Nacht im Hostel, verbringen dann den Sonntag weitgehend mit Fertigpacken des Aufgabegepäcks für den Flug, Herumlaufen, Eis essen und ganz viel Teleferico fahren (dieses riesige Seilbahnliniensystem, das verschiedene Stadtteile miteinander verbindet) - nochmal diese beeindruckende Stadt mitten in den Anden aus der Vogelperspektive aus betrachten.

Letzte Blicke auf den Illimani



Von Sonntag zu Montag bleiben wir am Flughafen, doch Schlaf findet niemand von uns und schließlich ist es eine Erlösung, um halb vier Uhr morgens das große Gepäck einzuchecken.
Nach diesen letzten Tagen in La Paz haben wir uns wirklich in Ruhe von Bolivien verabschieden können und der Abflug ist überhaupt nicht schlimm. Viel bewegender und schwieriger war es, aus Sucre fortzugehen, denn das ist unser zweites Zuhause geworden. Hier in La Paz haben wir uns schon wie in einer Art Zwischenebene gefühlt, noch nicht richtig weg aus Bolivien, aber irgendwie auch nicht mehr so richtig da. Sogesehen war der "Vorlauf", die vier "Gewöhnungstage" auf die Abreise hin wirklich gut.

Nun bin ich schon eine reichliche Woche wieder zuhause, es hat sich viel getan und ich habe quasi 24/7 den Kopf voll. Viel Zeit zum langsamen Ankommen blieb da nicht, es war eher sehr abrupt, doch dazu schreibe ich noch einen kleinen Blogeintrag in ein paar Tagen, wenn ein bisschen mehr Zeit ist und wir vielleicht etwas mehr zur Ruhe gekommen sind. Sozusagen ein Cliffhanger.

Bis dahin, liebe Grüße von Patricia

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