Wir
fahren in den Regenwald! Relativ spontan, da der Geburtstag einer
Freundin bevorstand, haben wir beschlossen, für ein paar Tage in das
kleine Naturschutzreservat Chuchini nördlich von Trinidad zu fahren,
um jetzt in der Regenzeit durch den Dschungel zu stapfen, Boot zu
fahren und hoffentlich ganz viele Vögel, Alligatoren, Capybara und
andere interessante Tiere zu sehen.
Nach
einer abenteuerlich-rasanten Busfahrt bei Gewitter auf der wohl
schlechtesten Straße Boliviens kommen wir morgens in Santa Cruz an –
schwüle Hitze und Mosquitos bilden das Empfangskomitee. Wir laufen
ein bisschen herum, Santa Cruz als Stadt ist touristisch gesehen
wenig spektakulär, weshalb wir uns (zu siebt plus Fahrer) in ein
Taxi quetschen und zum botanischen Garten fahren, der wunderschön
und teilweise sogar waldähnlich angelegt ist mit Holzbohlenweg oder
überflutetem Trampelpfad. Mir gefällt es total gut, es gibt riesige
Gummibäume, verholzte Lianen und frei herumkrabbelnde Schildkröten.
Ein kleiner Vorgeschmack auf den richtigen Regenwald.
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| Auf einem Ausguck mit Wendeltreppe hoch über den Bäumen |
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Abends
geht es mit einem weiteren Nachtbus nach Trinidad, wo uns morgens
früh ein Pickup-Geländewagen mit zwei Drahtstühlen auf der
Ladefläche und einer Staude Kochbananen auf dem Dach abholt. Efrem,
einer unglaublich lieber Mann, ist unser Guide, Tierarzt und betreibt
mit seiner Frau Miriam Chuchini, ein kleines Reservat mit
Bootsanleger an einer ruhigen Lagune, mit Gästezimmern, vielen
Hängematten, einer Hand voll Kühen und Pferden und verschiedenen
Vögeln und Affen, die nach schädigender Haustierhaltung von Efrem
und Miriam wieder in ihren natürlichen Lebensraum ausgewildert
werden. Ihnen gehört außerdem ein Stück Regenwald, wohinein sie
geführte mehrtägige Touren mit Vollverpflegung und Übernachtung
anbieten.
Die
beiden sind überhaupt nicht wie Touristenguides, sondern sie leben
dort mit ihren beiden Kindern und einer Mitarbeiterin mit ihrer
Tochter, managen, kochen, bewirtschaften alles selbst und sind von
Anfang an wie gute Freunde von uns.
Aus
dem Dschungel dringt Vögelgezwitscher, Grillengezirp und
Affengebrüll (das sich eher ein bisschen anhört wie an- und
abschwellendes Hirschröhren), womit sich die Affen in der Gruppe
verständigen, wenn sie sich weiterbewegen.
Wir
genießen ein excellentes Frühstück mit Cafe, frischem
Maracuya-Saft und einem Masaco de Platano, einer traditionellen
Speise aus krümelig-gebratenen Kochbananen und Käse, ein bisschen
wie Rührei, nur eben aus den festen, aromatischen, kaum süßlichen
Bananen (auf Spanisch 'Platano para freir' als 'Bananen zum
Frittieren). Danach ein Spaziergang durch den Wald und das Gelände,
ich löchere den Efrem mit ganz vielen Fragen über die Pflanzen, die
uns umgeben, er weiß unglaublich viel über die Flora und Fauna
hier. Mandarinen-, Zitronen- und Pomelobäume, Maracuya, Chirimoya,
Guyaba, Sedrillo, Tamarinde, Eukalyptus, Kakaobäume und viele viele
andere exotische Pflanzen. Natürlich werden die Pflanzen hier auch
zu unserer Verpflegung genutzt, wir finden schon eine reife
Chirimoya, probieren das weiße Fleisch einer Kakaobohne und die
Blätter der Zitronen-Mandarinen-Pflanze werden nachher für den Tee
verwendet. Hinterher sind unsere langen luftigen Klamotten
(unverzichtbarer Mückenschutz, sonst wird man innerhalb von Sekunden
von tausenden der stechfreudigen Biester befallen) bedeckt mit
kleinen klebrigen Kletten – ganz kreativ „Pega pega“ genannt,
denn 'pegar' bedeutet auf Spanisch 'kleben'.
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| Nicht über alle Pflanzen weiß ich Details zu erklären, aber diese kleine supersaure Frucht hat gut geschmeckt. |
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| Eine Kakaobohne - die Butter schmeckt seltsam frisch, süßlich und ein wenig glibberig zugleich |
Wir
schauen uns auch einige alte Tongegenstände und Figuren an –
ausgegrabene Überbleibsel einer asiatischen Kultur, die hier in
Chuchini vor ca. 5000 Jahren gelebt hat und die künstliche Lagune
hier anlegte, die mit dem Fluss Ibare verbunden ist, der irgendwann
in Brasilien schließlich in den Amazonas mündet.
Am
Nachmittag baden wir in der Lagune, vertreiben die Mosquitos mit
Wasserspritzen und schwingen uns wie kleine Affen an einem Seil, das
an einem Baum festgebunden ist, über den Steg und springend
platschend ins warme Nass. Von der anderen Seite der Lagune (sie
sieht aus, wie ein kleiner schmaler Fluss) hören wir die Affen und
Vögel schreien, es ist ein wunderschöner Ort.
Dann
fahren wir mit dem Ruderboot (zu acht hineingequetscht) in beide
Richtungen die Lagune entlang, hinein ins versumpfte,
schlingpflanzenbewachsene Dickicht am anderen Ufer, schlängeln uns
zwischen den fingerartigen Wasserwurzeln der dichten Bäume hindurch.
Efrem erklärt ganz viele verschiedene Pflanzen und wir halten ein
bisschen nach Alligatoren Ausschau, aber jetzt über den Tag halten
sie sich noch versteckt.

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| Ein wunderschöner Spiegeleffekt bei Dämmerung, der die wilden Uferpflanzen doppelt so eindrucksvoll erscheinen lässt. |
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| Siesta in der Hängematte |

Später
am Abend als es dunkel ist und der Halbmond hochsteht fahren wir,
begleitet von ohrenbetäubendem Froschgequake und
Grillenzirp-Vogelschreikonzert mit dem größeren Motorboot hinaus
auf die Lagune, Mission: Alligatoren finden. Mit einer superstarken
Taschenlampe leuchtet Efrem die Ufer und die Wasseroberfläche ab,
wann immer im Lichtstrahl zwei hell strahlende Lichtpünktchen
auftauchen, wissen wir: dort versteckt sich ein Alligator, denn die
Augen reflektieren das Licht extrem. Wir steuern direkt auf diese
Lichtpunkte zu und nach einigen missglückten Versuchen gelingt es
Efrem, einen Babyalligator rauszufischen. Wir dürfen ihn halten,
ganz fest mit den Fingern um den Hals, damit er sich tot stellt, denn
auch schon die kleinen 5-6 Monate alten Tiere haben eine ganz schöne
Zappelkraft. Im Taschenlampenlicht betrachte ich die beeindruckenden
kleinen Zähne, wir streichen über die bereits überraschend harten
Schuppen, gucken uns die angewachsene Zunge an. Diese Alligatoren
können bis zu 35 Jahre alt und 4,5 – 5 m groß werden, hoffentlich
holen wir uns nicht so einen zum Streicheln ins Boot.... So bei Nacht
über die stille Lagune zu gleiten, im Mondschein, spätestens jetzt
habe ich mich vollkommen in diesen wunderschön idyllischen Ort
verliebt.
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| Efrem mit dem kleinsten der Alligatorenbaby |
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| ...später haben wir auch größere Krokos herausgefischt. |
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| Die Augen leuchten wie kleine Reflektoren am Ufer und der gezackte Schwanz erinnert an einen kleine Dinosaurier. |
Aufgeweckt werden wir von der Dschungelgeräuschkulisse und dem Wind in den hohen Bäumen, nur den Jaguar haben wir nachts irgendwie überhört. Es gibt ein Geburtstagsfrühstück für Marie mit frischem eisigen Orangensaft, selbstgemachter heißer Schokolade aus den Kakaobohnen von hier, zwei brennenden Kerzen in einem kleinen Brötchen und Paiuje, ein weiteres traditionelles Gericht aus dem Department Beni, bestehend aus Kochbananen, diesmal nicht herzhaft frittiert sondern süßlich mit Zimt zu einem weichen Brei gekocht mit Milchcreme oben drauf.
Hausäffchen
Martina will schon unseren Proviantkorb vom Boot stibitzen, doch wir
können sie rechtzeitig zurückhalten. Mit einer Art Kahn mit
mehreren Sitzbänken, Benzinmotor und Dach mit Leiter zum
Hinaufklettern geht es los auf eine Tagestour zum Fluss Ibaré, der in
den größeren Mamore mündet (welcher nach vielen vielen Kilometern
mehr Brasilien erreicht und schließlich in den Amazonas fließt). Es
geht raus aus der Lagune bei Chuchini, durch viel Entengrütze und
Lianen bis zum schmalen ruhigen Ibaré, wo wir auf beiden Uferseite
viele verschiedene Wasservögel beobachten können, sich sonnende
Wasserschildkröten und sogar herumturnende schwarzweiße Äffchen in
einem hohen Baum. Efrem erklärt wieder ganz viele verschiedene
Pflanzen und Tiere; zum Beispiel den Mapajo, einen 350 Jahre riesigen
alten Baum, oder die großen haarigen Capybara (Wasserschweine), die
wirklich aussehen wie übergroße Wassermeerschweinchen und am Ufer
herumschnüffeln. Es ist ein richtiges Paradies hier, ich liebe die
Ruhe und die wilde Natur um uns herum. Nur zwei-/dreimal begegnet uns
ein schmales Holzboot aus einem halben Baumstamm, in dem zwei oder
drei Männer zu ihrem Arbeitsplatz fahren, kleine Gärten oder
Miniplantagen neben dem Fluss, wo sie entweder Holz schlagen oder
verschiedene Früchte und Gemüse anbauen. Und wo auch kleine,
palmwedelgedeckte Hütten stehen.
Den
Rio Mamoré kann man schon von Weitem sehen, da der breite Fluss ganz
braun-schlammig aussieht von aufgewirbeltem Sand und sich die
verschiedenen Wasser auch nicht gleich mischen.
Dort am Zusammenfluss schwimmen relativ viele Fische relativ weit oben, weshalb an dieser Stelle besonders viele der Amazonas-Süßwasserdelfine kommen, Bufeos genannt. Abhängig nach Alter variiert ihre Hautfarbe: als Jungtiere sind sie grau-blau gefärbt, doch wenn sie ausgewachsen sind färben sie sich blassrosa – Efrem erklärt, sie wechseln die Farbe zu rosa wenn sie sich paaren wollen, was eine ziemlich süße Idee ist.
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| Treppe zum kleinen schwimmenden Bootssteg von Chuchini |
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| Links das ruhigere klare Wasser de Ibaré , rechts der breite schlammige Mamoré |
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| Genau hier, wo sich die Wasser treffen, fischten lustvoll die Delphine im Wasser (leider meist zu schnell wieder abgetaucht, um sie mit der Camera festzuhalten) |
Dort am Zusammenfluss schwimmen relativ viele Fische relativ weit oben, weshalb an dieser Stelle besonders viele der Amazonas-Süßwasserdelfine kommen, Bufeos genannt. Abhängig nach Alter variiert ihre Hautfarbe: als Jungtiere sind sie grau-blau gefärbt, doch wenn sie ausgewachsen sind färben sie sich blassrosa – Efrem erklärt, sie wechseln die Farbe zu rosa wenn sie sich paaren wollen, was eine ziemlich süße Idee ist.
Alle
paar Sekunden tauchen mehrere der Delfine auf zum Luftholen, man
sieht ihre knochigen Rücken und die spitzen Schnauzen sehr gut, sie
prusten sogar richtig in die Luft.
Dann kreuzen wir über den Mamoré und legen an dem letzten Stückchen Sandstrand an, das es trotz Regenzeit noch gibt, ganz mit Schilf und Flussbambusgras bewachsen. Dort werfen wir uns in den Schlamm, wie die kleine Kinder machen wir eine Schlammschlacht und schliddern auf dem Bauch ins Wasser. Der eigentliche Zweck (bis auf wahnsinnig viel Spaß beim Herummatschen): der Schlamm hat viele verschiedene Mineralien und ist sehr gut für die Haut, weshalb wir uns am Ende alle gegenseitig einrubbeln und uns zum Trocknen in die Sonne legen.
Dann kreuzen wir über den Mamoré und legen an dem letzten Stückchen Sandstrand an, das es trotz Regenzeit noch gibt, ganz mit Schilf und Flussbambusgras bewachsen. Dort werfen wir uns in den Schlamm, wie die kleine Kinder machen wir eine Schlammschlacht und schliddern auf dem Bauch ins Wasser. Der eigentliche Zweck (bis auf wahnsinnig viel Spaß beim Herummatschen): der Schlamm hat viele verschiedene Mineralien und ist sehr gut für die Haut, weshalb wir uns am Ende alle gegenseitig einrubbeln und uns zum Trocknen in die Sonne legen.
Nach
einem ausgiebigen halbwegs säubernden Bad im Fluss gibt es ein
leckeres Picknick auf dem Boot mit Bananenchips, frischen Tomaten
gekochten Möhren, Eiern und Kartoffel, frittierten Auberginen,
Käsewürfeln und sogar einem kühlen Bierchen zum Anstoßen auf
Maries Geburtstag. Dann hängen wir zwei Hängematten ins Boot –
eine der coolsten Konstruktionen die ich je gesehen habe – Siesta
auf dem Fluss. Auf der Rückfahrt sehen wir wieder viele viele Vögel,
Schildkröten, Capybara usw.
Zurück
in Chuchini schwimme ich noch ein bisschen in der Lagune herum, bevor
wir ein leckeres Abendessen verspeise – es gibt Empanadas, das sind
gefüllte, frittierte Teigtaschen gefüllt mit Tomaten, Käse ,
Zwiebeln und scharfer Soße.
Noch bis in die Nacht spielen wir Blackstories, wo die Leute aus Deutschland und Österreich die Karten auf Englisch und auf Spanisch übersetzen müssen und wir wild in drei Sprachen durcheinanderraten. Dann zeigt uns Efrem noch ein bolivianisches Militärwürfelspiel, bei dem wir aber alle irgendwann fast einschlafen und uns schließlich durch die Mosquitoschwärme zurück zu unseren Betten kämpfen.
Noch bis in die Nacht spielen wir Blackstories, wo die Leute aus Deutschland und Österreich die Karten auf Englisch und auf Spanisch übersetzen müssen und wir wild in drei Sprachen durcheinanderraten. Dann zeigt uns Efrem noch ein bolivianisches Militärwürfelspiel, bei dem wir aber alle irgendwann fast einschlafen und uns schließlich durch die Mosquitoschwärme zurück zu unseren Betten kämpfen.
Leider
wurde unser wunderbarer Besuch in Chuchini aufgrund eines Unfalls
unterbrochen und wir konnten nicht mehr Zeit als diese zwei Tage im
Dschungel verbringen. Trotzdem habe ich unsere Zeit dort sehr
genossen und mich sehr wohl gefühlt inmitten dieses tropischen
Waldes, es war einfach traumhaft. Trotzdem muss leider dieser Blog
für die nächsten Wochen ruhen, ich melde mich natürlich wieder,
sobald es etwas Neues gibt. Bis bald!































































