Dieses Wochenende haben wir es endlich
geschafft, mein Geburtstagsgeschenk zu realisieren – eine
zweitägige Wanderung zum Meteoritenkrater Maragua westlich von Sucre
im Department Chuquisaca.
Maragua ist hier in Sucre allbekannt,
denn viele Reiseagenturen bieten Ausflüge zum Krater an. Da wir
Freiwilligen aber sowieso viele Wanderungen und Aktivitäten mit
unserem Lokalkoordinator Oscar unternehmen, der in Sucre und Umgebung
quasi jeden Stein und jeden Grashalm kennt, konnten wir einfach
gemeinsam mit ihm losziehen und mussten uns nicht einer dieser
geführten Touren anschließen, bei denen meistens kaum ein Tourist
Spanisch spricht und alle paar Minuten für ein Gruppenfoto
angehalten werden muss, was ich immer sehr wertschätze, denn auf
diese Art lernt man auch die Umgebung und vor allem die Menschen, auf
die man beim Wandern trifft, auf eine viel nähere und ehrlichere Art
kennen als mit einer Gruppe Blitzlichtgewitter-Gringos.
Am Samstagmorgen treffen wir uns also mit Bernadette, Jelena und Oscar, unseren weiteren Mitfreiwilligen, die mir die Tour mit geschenkt hatten, sind leider auf Reisen, weshalb wir nur zu viert losgezogen sind. Mein Rucksack ist gepackt mit Äpfeln, Brot, Erdnussbutter, viel Wasser und natürlich mehreren dicken Pullis, meiner Strickmütze, Wollsocken und den kuscheligen Alpakahandschuhen, denn auf mehr als 3000 m Höhe wird es im bolivianischen Winter nachts meist sehr kalt, wie wir es seit den letzten Wochen schon in Sucre zu spüren bekommen.
Am Samstagmorgen treffen wir uns also mit Bernadette, Jelena und Oscar, unseren weiteren Mitfreiwilligen, die mir die Tour mit geschenkt hatten, sind leider auf Reisen, weshalb wir nur zu viert losgezogen sind. Mein Rucksack ist gepackt mit Äpfeln, Brot, Erdnussbutter, viel Wasser und natürlich mehreren dicken Pullis, meiner Strickmütze, Wollsocken und den kuscheligen Alpakahandschuhen, denn auf mehr als 3000 m Höhe wird es im bolivianischen Winter nachts meist sehr kalt, wie wir es seit den letzten Wochen schon in Sucre zu spüren bekommen.
Wir laufen die meiste
Zeit eine sandig-holprige Piste entlang, die auch die wenigen
Transportmittel, meist Mopeds oder Minibusse, nehmen, um ins Dorf
Maragua zu gelangen, aber es ist in den reichlich dreieinhalb oder
vier Stunden so gut wie gar kein Verkehr. Zwei oder dreimal weichen
wir auf einen gerölligen, sich sehr steil im Berg
hinaufschlängelnden Trampelpfad aus, um ein oder zwei
Serpentinenkurven der Fahrstraße abzukürzen. Ab und zu steht eine
Kuh auf dem Weg oder wir laufen an einer kleinen Herde ausgemerkelter
Ziegen vorbei.
Der Weg geht hinauf und hinunter und
hinauf, bis wir schließlich, nach langen Blicken auf hoch aufragende
ausgedörrte Felsen und wunderschön verschiedenstfarbige
Gesteinsschichten, um die letzte Wegbiegung kommen und endlich auf
den ca. 8 km breiten Krater namens Maragua blicken, in welchem das
gleichnamige Dörfchen liegt. Die Kraterwänder, die diese kleine
Hochebene einschließen, bestehen aus den verschiedensten Farben von
tiefmagenta über senfiges sandgelb und indigoblau bis zu strahlendem
türkisgrün und diese verschiedenen Materialschichten sind in einer
Art Eierhalbschalenmuster angeordnet, sodass es fast aussieht, als
sei der Krater von unten Schicht für Schicht an den Rändern
halbkreisförmig nach oben gewachsen. Im warmen orangeroten
Abendsonnenlicht wirkt die Szenerie noch beeindruckender.
Wir
schlendern die Straße hinunter dem kleinen Dorf entgegen und treffen
am ersten Haus noch auf ein Pärchen aus Sachsen, die sich in Chile
eine Art Jeep mit hinten aufgesetztem Wohncontainer gekauft haben,
jetzt damit durch Bolivien fahren und die es auch hierher ins
Nirgendwo verschlagen hat. Denn dort sind wir scheinbar angekommen,
im Nirgendwo hier in Maragua, denn außer einem kleinen Centro de la
Salud, einem Mini-Hostel mit Holztür ohne Türklinke oder Klingel,
einer Art langem Mehrzweckgebäude (höchstwahrscheinlich eine
Grundschule), keine erkennbare Tienda oder Einkaufsmöglichkeit und
einer Handvoll einfacher einstöckiger Häuser, teilweise mit
Lehmwänden und Strohdach, gibt es hier wirklich nicht viel, das
Dörfchen wirkt fast wie ausgestorben, nur ein alter Mann sitzt vor
seinem Hauseingang, eine Herde Schafe ist in der Ferne zu sehen und
ein Schwarm grüner Loros fliegt über uns davon. Ein bisschen wie
ausgestorben. Ich hatte eigentlich gedacht, es gäbe hier Spuren von
Tourismus, da diese Touren ja in Sucre so hoch gelobt werden, doch
scheinbar bringen die Reiseagenturen ihr komplettes Equipment mit,
denn hier im Dorf gibt es quasi keine existierende Versorgungs- oder
Tourismusinfrastruktur.
Lange klopfen wir an die Holzpforte des Hostels und werden schließlich von zwei Kindern in das kleine Hostel gelassen, es ist nicht sehr sauber, aber wir haben natürlich unsere Schlafsäcke dabei und ein kleine Küche zum Tee kochen gibt es auch.
Womit wir leider bei einem echten
Problem wären – momentan gibt es kein Wasser in Maragua, niemand
hat fließend Wasser und auch Vorräte in Regenwassertanks gibt es
nicht viele. Niemand kann uns so wirklich sagen, ob und wann das
Wasser wiederkommt, die Kühe, Schafe, Ziegen und Esel aus dem Dorf
trinken aus dem dreckigen, vermüllten Rinnsal, das in der Regenzeit
sicher ein stattlicher Fluss wird, nur momentan ist er quasi
vollkommen trocken bis auf ein paar brackige Pfützen.
Nach einer Weile machen wir ein Haus ausfindig, das offenbar einen kleinen Kiosk im Hinterraum hat. Draußen sitzt die Familie beim Feuer und schmort ein Tier und als wir uns nähern, um nach Wasser zu fragen, kommt prompt die Antwort von einem vielleicht 12 oder 13jährigen Mädchen: „Die Mama ist betrunken, kein Verkauf heute.“, als sei dies das Selbstverständlichste auf der Welt. Schließlich können wir sie aber zum Glück überzeugen, uns Trinkwasser in großen Flaschen zu verkaufen, denn unser Wasser ist beträchtlich zur Neige gegangen.
Hier auf dem Land haben die Menschen sicherlich kein leichtes Leben, auch wenn es mal Wasser gibt. Ich bin geschockt, aber auch tief beeindruckt, wie diese Menschen hier leben mit nur dem Allernötigsten, wie sie versuchen, aus ihrem dörren Boden etwas Mais und Kartoffeln herauszuholen und die Tiere quasi ihre Lebensversicherung sind und eigentlich keinerlei Kontakt zur Stadt haben, keine Zeitung geschweigedenn Fernsehen, höchstens vielleicht ein kleines Radio, falls es mal Empfang gibt. Nachrichten werden es wohl eher schwer haben, bis hier her durchzudringen, aber Oscar sagt, dass die Menschen hier sowieso mit ihren eigenen Existenzproblemen zu kämpfen haben.
Ganz schnell wird es dunkel und mit dem Verschwinden der Sonne zieht auch eine ziemliche Kälte an. An einem wackeligen groben Holztisch im Hostel machen wir es uns gemütlich und schwatzen lange bei heißem Tee, Brot, Salz, Tomaten, Möhren und Erdnüssen. Der kalte, glatte Steinboden schreit geradezu danach, eine Tanzfläche zu sein, weshalb Jelena und ich uns nach dem Abendbrot noch ein bisschen warm tanzen. Dann gehen wir nocheinmal raus, um den wunderschönen Sternenhimmel und vor allem den unglaublich strahlend hellen Vollmond anzuschauen, der die Kraterwände in grelles, kaltes Licht taucht. Es ist vollkommen still, nur aus der Ferne hört man heiseres Hundegebäll.
Wenig später kuscheln wir uns in die Betten und einmal mehr bin ich überglücklich über meinen wunderbaren warmen Daunenschlafsack, in dem ich die Nacht ohne großes Frieren verbringe.
Am nächsten Morgen ist es immer noch sehr frisch draußen, aber trotzdem frühstücken wir im Freien mit Blick auf die morgensonnenbeschienenen Felder, eingemummelt in Jacke und Mütze.
Dann packen wir fix die Rucksäcke zusammen, verabschieden uns von den beiden Kindern, die uns ins Hostel gelassen haben (scheinbar sind ihre Eltern nicht da, nur eine ältere Frau steht still etwas abseits und beobachtet uns) und wir stapfen los in Richtung „Garganta del diablo“ („Der Hals/Die Kehle des Teufels“), was eine Art kleines Tal ist, von dem aus wir auf eine lange Anhöhe auf der einen Seite des Kraters klettern, über trockenes Geröll und zwischen stacheligen Büschen entlang, bis wir von oben einen wunderschönen Blick über den gesamten Krater haben und einmal mehr das Farbenspiel der verschieden Erdschichten bewundern können. Weiter unten rasten wir an einem Wasserfall, der ca. 40 Meter in die Tiefe geht, aber momentan in der Trockenzeit nur ein kleines Bächlein ist, das sich nach unten stürzt.
Nach einer Weile machen wir ein Haus ausfindig, das offenbar einen kleinen Kiosk im Hinterraum hat. Draußen sitzt die Familie beim Feuer und schmort ein Tier und als wir uns nähern, um nach Wasser zu fragen, kommt prompt die Antwort von einem vielleicht 12 oder 13jährigen Mädchen: „Die Mama ist betrunken, kein Verkauf heute.“, als sei dies das Selbstverständlichste auf der Welt. Schließlich können wir sie aber zum Glück überzeugen, uns Trinkwasser in großen Flaschen zu verkaufen, denn unser Wasser ist beträchtlich zur Neige gegangen.
Hier auf dem Land haben die Menschen sicherlich kein leichtes Leben, auch wenn es mal Wasser gibt. Ich bin geschockt, aber auch tief beeindruckt, wie diese Menschen hier leben mit nur dem Allernötigsten, wie sie versuchen, aus ihrem dörren Boden etwas Mais und Kartoffeln herauszuholen und die Tiere quasi ihre Lebensversicherung sind und eigentlich keinerlei Kontakt zur Stadt haben, keine Zeitung geschweigedenn Fernsehen, höchstens vielleicht ein kleines Radio, falls es mal Empfang gibt. Nachrichten werden es wohl eher schwer haben, bis hier her durchzudringen, aber Oscar sagt, dass die Menschen hier sowieso mit ihren eigenen Existenzproblemen zu kämpfen haben.
Ganz schnell wird es dunkel und mit dem Verschwinden der Sonne zieht auch eine ziemliche Kälte an. An einem wackeligen groben Holztisch im Hostel machen wir es uns gemütlich und schwatzen lange bei heißem Tee, Brot, Salz, Tomaten, Möhren und Erdnüssen. Der kalte, glatte Steinboden schreit geradezu danach, eine Tanzfläche zu sein, weshalb Jelena und ich uns nach dem Abendbrot noch ein bisschen warm tanzen. Dann gehen wir nocheinmal raus, um den wunderschönen Sternenhimmel und vor allem den unglaublich strahlend hellen Vollmond anzuschauen, der die Kraterwände in grelles, kaltes Licht taucht. Es ist vollkommen still, nur aus der Ferne hört man heiseres Hundegebäll.
Wenig später kuscheln wir uns in die Betten und einmal mehr bin ich überglücklich über meinen wunderbaren warmen Daunenschlafsack, in dem ich die Nacht ohne großes Frieren verbringe.
Am nächsten Morgen ist es immer noch sehr frisch draußen, aber trotzdem frühstücken wir im Freien mit Blick auf die morgensonnenbeschienenen Felder, eingemummelt in Jacke und Mütze.
Dann packen wir fix die Rucksäcke zusammen, verabschieden uns von den beiden Kindern, die uns ins Hostel gelassen haben (scheinbar sind ihre Eltern nicht da, nur eine ältere Frau steht still etwas abseits und beobachtet uns) und wir stapfen los in Richtung „Garganta del diablo“ („Der Hals/Die Kehle des Teufels“), was eine Art kleines Tal ist, von dem aus wir auf eine lange Anhöhe auf der einen Seite des Kraters klettern, über trockenes Geröll und zwischen stacheligen Büschen entlang, bis wir von oben einen wunderschönen Blick über den gesamten Krater haben und einmal mehr das Farbenspiel der verschieden Erdschichten bewundern können. Weiter unten rasten wir an einem Wasserfall, der ca. 40 Meter in die Tiefe geht, aber momentan in der Trockenzeit nur ein kleines Bächlein ist, das sich nach unten stürzt.
Wir
machen uns gegen Mittag auf den Rückweg, die Sandpiste hinauf hinaus
aus dem Krater, aber nach einiger Zeit in der nun wieder brennenden
Sonne merken wir, dass uns langsam das Trinkwasser knapp wird....
weiter unter uns liegt ein kleines Fußballfeld bevölkert mit
Menschen, die sich ein sonntagnachmittägliches Spiel ansehen oder
selbst mitspielen. Es gibt eine ganze Reihe Minibusse, doch laut
eines Señors, den wir auf dem Weg treffen, fahren diese Busse erst
wieder zurück Richtung Sucre, wenn das Spiel vorbei ist. Nachmittags
um fünf. Wir haben also keine Chance, als durstig weiter dem
staubigen Weg zu folgen. An einem kleinen Haus am Wegesrand treffen
wir auf eine sehr nette ältere Señora, die uns zwei Tassen Wasser
aus ihrem eigenen kläglichen Vorrat abgibt, was für eine
unglaubliche Freundlichkeit. Wenig später erspähen wir dann zum
Glück (!!!) eine richtige Tienda, wo wir Wasser kaufen können. Ich
bin sehr erleichtert, denn schon beim Gedanken daran, weitere drei
Stunden ohne Wasser in der brennenden Sonne laufen zu müssen, wurde
mit schummerig vor den Augen. So wird mir einmal mehr mit Nachdruck
bewusst, wie elementar und unglaublich wichtig doch Wasser ist. Was
würden wir nur tun, wenn wir immer in so ungewissen Situationen
leben würden, mal gibt es Wasser, mal gibt es keins. Ich bewundere
die Menschen, die so leben, für ihre Stärke und ihr
Durchhaltevermögen und bin doch gleichzeitig wirklich sehr froh,
nicht in einem solch abgeschnittenen Fleckchen Erde zu leben, in
einer solchen Unsicherheit und Abgeschiedenheit.
Mit neuer Energie wandern wir weiter und nach einer Weile überholt uns tatsächlich schon ein kleiner Bus, der noch Platz hat und wir steigen dankbar ein.
Bis zur Straße nach Sucre ist es eine reichliche Stunde, zwischendurch halten wir an einem kleinen Bächlein an und beinahe alle Passagiere klettern heraus, um kurz durchzuatmen und das Gesicht im eiskalten Bachwasser abzukühlen.
Vom Dorf Chataquila an der großen asphaltierten Straße aus heißt es dann wieder einmal Trampen, und prompt nimmt uns auch ein kleines Multicar hinten auf der Ladefläche mit. Diese Fahrten habe ich am liebsten, wenn man hinten auf einem Jeep oder Minilaster mitfahren kann, der kalten Wind von vorn ins Gesicht peitscht und die Haare wild herumfliegen und von hinten die Sonne auf den Rücken brennt.
Wieder zurück in Sucre bin ich froh
über das Wasser aus dem Wasserhahn, aber gleichzeitig aus sehr froh,
diese Wanderung gemacht zu haben, denn landschaftlich ist der Krater
Maragua eine wirkliche Perle, mit jeder Stunde, die verändertes
Sonnenlicht bringt, scheinen die Gesteins- und Sandfarben anders.
Aber auch die Möglichkeit, dass kleine Dorf inmitten des Kraters zu
besuchen, ohne jegliche Spur von Tourismus, sondern vollkommen pur,
hat mir wieder einmal gezeigt, wie wenig man in Wirklichkeit zum
Leben braucht und wir sehr wir doch manchmal vergessen, die Dinge,
die wir haben, wertzuschätzen, vor allem aber die Verfügbarkeit von
trinkbarem Wasser.




























